Die Ultra Bewegung

Ursprung

Ultras Sampdori Genua Ultras von Sampdoria Genua beim Gastspiel in Siena

Die "Ultra-Bewegung" hat Ihre Wurzeln in Italien. Die ersten Gruppen entstanden um 1950. Ein Beispiel hierfür ist die Fedelissimi Granata 1951. Der Begriff "Ultras" entstand als Anhänger des FC Turin einen Schiedsrichter nach dem Spiel bis zum Flughafen verfolgten und eine italienische Zeitung die Fußballverrückten Jugendlichen als "Ultras" bezeichnete. Anfangs waren es nur wenig Jugendliche und Erwachsene die optisch und akustisch durch Choreografien, Balkenschals, Feuerwerke und Trommeln auf sich aufmerksam machten. Rasch entstanden weitere Ultragruppen in Italien und auch in anderen Ländern. In Großbritannien blieb das Phänomen "Ultras" bis heute weitestgehend aus.

Struktur und Aktivitäten

Fahnen und Doppelhalter in der Nordkurve von 1860 München

Das Ziel der Ultras ist es, ihren Verein, ihre Stadt, ihre Kurve "immer und überall" bestmöglich zu repräsentieren.

Die akustische Unterstützung im Stadion wird häufig durch einen Capo mittels Megafon koordiniert. Unterstütz wird der Capo durch Trommeln. Bei der optischen Unterstützung setzen Ultras u.a. Schals, Konfetti, Kassenrollen, Fahnen, Doppelhalter und auch pyrotechnische Mittel ein. Ultras organisieren große Kurvenshows, die sogenannten Choreographien. Hier setzen Ultras Mittel wie z.B. Papptafeln, Folienbahnen, Fahnen oder Blockfahnen mit bestimmten aufgemalten Motiven drauf ein. Durch den Verkauf von Schals, T-Shirts, Postern, Collagen, DVDs und auch durch Spenden, sowie den Mitgliedsbeiträgen werden diese  Choreographien und auch die Stoffe für Fahnen und Doppelhalter finanziert. Ultras nehmen grundsätzlich kein Geld von Sponsoren oder Gelder des eigenen Vereins an. Einigen Vereinsbossen sind Ultras eher ein Dorn im Auge da Sie der Vereinsführung meist kritisch gegenüber stehen. Ultras kämpfen u.a. für den Erhalt der Fankultur, der Stadiennamen und gegen die Kommerzialisierung des Fussballs.

Protestaktion der Cosa Nostra 1860

Ein weiteres kritisches Thema sind die Repressionen und die Willkürlichen Einsätze der Ordnungskräfte und der Polizei. Oftmals werden Begriffe wie "A.C.A.B" oder "Fussballfans sind keine Verbrecher" verwendet, um die Öffentlichkeit und die anderen Zuschauer auf diese Umstände aufmerksam zu machen. Auch setzen Ultras Spruchbänder ein oder verkleben Aufkleber mit kritischen Inhalt gegenüber Vereinsbossen oder der Polizei.

Ultras in Deutschland

Ultras Frankfurt 1997 in Stuttgart

Anfang der 1990er erreichte auch die Ultra-Bewegung die Bundesrepublik. Die erste Ultra Gruppe war die 1986 gegründete „Fortuna Eagles“ des damaligen Zweitligisten Fortuna Köln. In den Anfangsjahren hatten es die Ultras in der Fanlandschaft zwischen „Kutten“ und „Hooligans“ nicht leicht. Sie wollten ja nicht mit deren beiden Fangruppen verglichen werden. Der eigene Verein und die restliche Kurve beäugte das „Neue“ eher kritisch, das spürten auch die Ultra Gruppen. Mittlerweile sind die Ultra Gruppen aus der deutschen Fanlandschaft nicht mehr weg zu denken. In vielen Szenen spielen die Ultras eine dominante Rolle und haben Mitgliederzahlen im drei- bis vierstelligen Bereich. Die größte Ultra Gruppe sind die Ultras Frankfurt (laut dem Magazin „11 Freunde“), die im Jahre 2007 Ihr 10-jähriges Jubiläum feiern durften.

Choreographie zum 10-jährigen bestehen des Commando Cannstatt 1997

Bei den meisten Ultra Gruppen erkennt man das Zusammenkommen verschiedenster Personen aus den verschiedensten Subkulturen. Immer öfter erscheinen Rap-Lieder über Gruppen, Verein und Stadt. In den meisten Städten kann man sehenswerte Graffitis und Aufkleber bestaunen. Die Ultra Gruppen sind stark mit der eigenen Stadt verwurzelt, sie haben meist Ihre eigenen Räumlichkeiten, in die jeder Fan des eigenen Vereins willkommen ist.
 
Politik spielt bei den meisten deutschen Gruppen keine Rolle, anders als in Italien oder Polen. Mitglieder können rechts oder links sein, aber in der Kurve zählt nur die Unterstützung des eigenen Vereins. Wiederum mischen sich die Ultra Gruppen in die Vereinspolitik ein, da in Deutschland immer mehr der Kommerz Einzug nimmt. Ultras kämpfen auch gegen die immer stärker werdende Repression und Willkür seitens des Ordnungsdienstes und der Polizei. Mittels Spruchbänder, Info-Veranstaltungen, Demos und auch Choreographien machen Ultras auf diese Umstände aufmerksam. Leider haben sich aufgrund dieser steigenden Unterdrückung seitens der Vereine und Polizei schon Ultra Gruppen aufgelöst, da Sie keine Chance mehr sahen Ihre arbeit im Stadion fortzusetzen.